The making of a Bürgermeisterkandidat, 2.0

Anm: Gut, dass hier alles beta ist. Da kann man nämlich auch strukturelle Fehler im Text beheben, wenn man merkt, dass man sich schlecht ausgedrückt hat. Fein, so ein Internet.

In letzter Zeit habe ich unendlich viel darüber diskutiert, ob und wie Journalismus noch eine ökonomische Grundlage haben wird und ob es gesetzliche Regelungen braucht, um diese Grundlage gegen „das Internet“ zu schützen – und jedes Mal höre ich dieses Argument: Recherche-Qualität muss bezahlt werden, schau dir die New York Times an und Die Zeit und den Economist. Dazu brauche es professionelle JournalistInnen.

Stimmt ja vielleicht. Aber 99 Prozent der professionellen JournalistInnen weltweit arbeiten für andere Medien. Durchschnittsjournalismus finden wir eben nicht in der NYT, sondern z.B. NEWS.

NEWS triffts hier aber nur, weil ich es gerade mal wieder die Gelegenheit hatte, es zu lesen. Was dort abgeht ist leider typischer Journalismus. Und der sieht so aus: Journalist David Pesendorfer stellt Stefan Petzner ein paar drängende Fragen zur Wien-Wahl, auf die dieser nur ausweichend antwortet – offensichtlich weil innerparteilich noch keine Entscheidungen getroffen sind und er keine klare Aussage treffen kann. Daher sorgt der Interviewer für Klarheit: „Petzner will Wiener Bürgermeister werden“ titelt er. Obwohl der das nie gesagt hat. Eine „eingespielte Form der Bedeutungsvermittlung zwischen Politikern und Journalisten“, wie ein Freund von mir gemeint hat? Ja, vermutlich. Das ist ja das Schlimme.

Hier das Interview ganz, hier der relevante Auszug:

NEWS: Und Wien? Wollen Sie dort die Jungwähler kampflos dem Strache überlassen?

Petzner: Der wird als Politiker grob überschätzt, dem fehlt jede visionäre Kraft. In Wien ist für uns dann was möglich, wenn man einem bekannten Gesicht eine Chance gibt.

NEWS: Und wenn man nun Sie fragen würde?

Petzner: Das ist schon überlegt worden. Es gibt manche im BZÖ, die diesen Gedanken durchaus spannend finden.

NEWS: Und?

Petzner: Ich schließe das nicht aus, es wäre sicher eine spannende Erfahrung. Ich habe mich aber noch nicht näher damit beschäftigt. Ich bin immer für alles Neue offen.

NEWS: Bitte keine Polit-Phraseologie: Wollen Sie, oder wollen Sie nicht?

Petzner: Es müssen alle wollen – dann wäre der Strache in den Discos und Jugendlokalen sicher nicht mehr allein unterwegs, da würde dann sicher auch der Petzner herumkrebsen. Im Ernst: Es wäre fatal, das Jugendpotenzial dem Strache zu überlassen. Der gehört ja im Prinzip schon zu den Altpolitikern.

NEWS: Wenn Sie in Wien kandidieren, wollen Sie doch wohl auch gewinnen – Bürgermeister und Landeshauptmann Stefan Petzner, wäre das das große Ziel?

Petzner: Man muss sich immer die größten Ziele stecken und Geduld beweisen, aber gleichzeitig auch Realist bleiben. Wenn, dann gehört Wien so richtig aufgemischt, dass sich Häupl und Strache anschnallen müssen. Wien ist ja eine Weltstadt, die unter der Herrschaft des ausgebrannten Häupl und seines Systems leidet.

Es soll mir bitte niemand mehr mit der Watergate-Affäre kommen, um professionellen Polit-Journalismus als vierte Macht im Staat zu beschwören. Und auch der AKH-Skandal ist schon lange her.  Polit-Journalismus sieht viel, viel öfter so aus wie oben. Leider.

This is beta, Version 2.0

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: