The making of a Bürgermeisterkandidat

Im Flugzeug hatte ich wieder mal Gelegenheit, im exklusiven NEWS zu blättern. Nicht Ein Wort Stimmt, das weiß man ja. Mich wundert nur, dass mich das noch wundert.

Denn das geht eigentlich nicht: NEWS-Journalist David Pesendorfer stellt Stefan Petzner ein paar drängende Fragen zur Wien-Wahl, auf die dieser nur ausweichend antwortet – offensichtlich weil innerparteilich noch keine Entscheidungen getroffen sind und er keine klare Aussage treffen kann. Daher sorgt der Interviewer für Klarheit: „Petzner will Wiener Bürgermeister werden“ titelt er. Der Auflagensteigerung wirds schon ein wenig geholfen haben.

Hier das Interview ganz, hier der relevante Auszug:

NEWS: Und Wien? Wollen Sie dort die Jungwähler kampflos dem Strache überlassen?

Petzner: Der wird als Politiker grob überschätzt, dem fehlt jede visionäre Kraft. In Wien ist für uns dann was möglich, wenn man einem bekannten Gesicht eine Chance gibt.

NEWS: Und wenn man nun Sie fragen würde?

Petzner: Das ist schon überlegt worden. Es gibt manche im BZÖ, die diesen Gedanken durchaus spannend finden.

NEWS: Und?

Petzner: Ich schließe das nicht aus, es wäre sicher eine spannende Erfahrung. Ich habe mich aber noch nicht näher damit beschäftigt. Ich bin immer für alles Neue offen.

NEWS: Bitte keine Polit-Phraseologie: Wollen Sie, oder wollen Sie nicht?

Petzner: Es müssen alle wollen – dann wäre der Strache in den Discos und Jugendlokalen sicher nicht mehr allein unterwegs, da würde dann sicher auch der Petzner herumkrebsen. Im Ernst: Es wäre fatal, das Jugendpotenzial dem Strache zu überlassen. Der gehört ja im Prinzip schon zu den Altpolitikern.

NEWS: Wenn Sie in Wien kandidieren, wollen Sie doch wohl auch gewinnen – Bürgermeister und Landeshauptmann Stefan Petzner, wäre das das große Ziel?

Petzner: Man muss sich immer die größten Ziele stecken und Geduld beweisen, aber gleichzeitig auch Realist bleiben. Wenn, dann gehört Wien so richtig aufgemischt, dass sich Häupl und Strache anschnallen müssen. Wien ist ja eine Weltstadt, die unter der Herrschaft des ausgebrannten Häupl und seines Systems leidet.

In letzter Zeit habe ich unendlich viel darüber diskutiert, ob und wie Journalismus noch eine ökonomische Grundlage haben wird – und jedes Mal höre ich dieses Argument: Recherche-Qualität muss bezahlt werden, schau dir die New York Times an und Die Zeit und den Economist. Dazu braucht es professionelle JournalistInnen.

Stimmt ja vielleicht. Aber 99 Prozent der professionellen JournalistInnen weltweit arbeiten für andere Medien. Durchschnittsjournalismus bietet eben nicht die NYT, sondern NEWS. Das muss man bei der Diskussion schon immer berücksichtigen.

Sich einem Publikum in möglichst großer Auflage verkaufen zu müssen korrumpiert nämlich auch.

Eine Antwort zu The making of a Bürgermeisterkandidat

  1. […] Anm: Gut, dass hier alles beta ist. Da kann man nämlich auch strukturelle Fehler im Text beheben, wenn man merkt, dass man sich schlecht ausgedrückt hat. Fein, so ein […]

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