Postjournalismus live: Deutschlands vierte Macht ist mausetot

25. Oktober 2009

Es kommt nicht oft vor, dass eine Pressekonferenz mehr über den Zustand der Medien enthüllt, als über den Zustand der Politik. Die Antritts-PK der schwarzgelben Koalition war ein solcher Moment… Als ich mein Projekt Postjournalismus gestartet habe, beschrieb ich das aktuelle Verhältnis von Medien und Demokratie so:

Medien, die die journalistischen Aufgaben ausreichend erfüllen, müssten [...] eine kritische Öffentlichkeit herstellen, einen Diskurs, wie er für jede Demokratie lebensnotwendig ist. Sie müssten vierte Macht sein, ein Gegengewicht zu den ersten drei Mächten. Doch in der Postdemokratie sind sie einfach nur Teil des Systems und haben nicht mehr die Kraft, selbst die gravierendsten Fehlentwicklungen durch journalistische Arbeit zu verhindern.

Eine postjournalistische Medienwelt ist nicht erst dann “erreicht”, wenn der letzte Journalist aufgehört hat, kritische Fragen zu stellen. Sie ist schon viel früher erreicht, nämlich dann, wenn selbst kritische Fragen keinerlei Wirkung mehr haben.

Dass der Fragesteller Holländer ist und keinerlei Unterstützung deutscher JournalistInnen bekam, lässt nur noch einen Befund zu: Die vierte Macht in Deutschland ist mausetot. Alle Super-Top-QualitätsjournalistInnen, die den Kollegen hier allein gelassen haben, sollen sich was schämen. Nein, besser: Sie sollten den Job wechseln. Still und mit gesenktem Haupt.

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Wie wir die Welt sehen

25. Oktober 2009

Wunderbarer, neuer TED-Vortrag für einen Sonntag vormittag im Bett: Beau Lotto über optische Illusionen. Eine ganz anschauliche und unterhaltsame Einführung in die Grundlagen des radikalen Konstruktivismus. Nur dass Honig Bienenkotze ist, wollte ich nicht wissen…


Der Zuckerberg-Kettenbrief

24. Oktober 2009

Diesmal in unserer Reihe “Kettenbriefe in der digitalen Ära” ein ganz besonderes Gusto-Stückerl: Mark Zuckerberg droht mit Löschung aus Facebook, wenn sein Spam nicht weitergeleitet wird… ein klares ROFL!

XXXXX hat dir eine Nachricht gesendet.

——————–
(kein Betreff)
Facebook ist seit kurzem zu sehr überbevölkert, gibt es viele Mitglieder klagen darüber, dass Facebook noch sehr langsam. Die Daten zeigen, dass der Grund ist, dass zu viele nicht-aktive Mitglieder und auf der anderen Seite ist es viele neue Facebook-Mitglieder.

Wir senden diese Nachricht, um zu sehen, wer die Mitglieder aktiv sind oder nicht. Wenn Sie aktiv sind schicken Sie bitte dieses zu mindestens 15 andere Nutzer (copy + paste) zu zeigen, dass Sie noch aktiv sind. * Diejenigen, senden Sie diese Nachricht nicht innerhalb von 2 Wochen entfernt, ohne zu zögern, um mehr Platz zu schaffen sein .*

Senden Sie diese Nachricht an alle deine Freunde um mir zu zeigen, dass Sie noch aktiv sind, und Sie werden nicht entfernt werden.

Gründer von Facebook,
Mark Zuckerberg


Die Koalition der Angepassten

24. Oktober 2009

Die neue deutsche Bundesregierung aus CDU/CSU/FDP scheint, was die Zusammensetzung ihrer Spitzenpositionen angeht, progressiv wie keine andere weltweit:

Bild 1

Und das, obwohl sie sich eindeutig als “rechts” versteht und wohl über weite Teile auch als “wertkonservativ” (der FDP kann man gesellschaftsliberale Ansätze nicht absprechen, aber definierend ist für sie sicher der Wirtschaftsliberalismus). Wie kann das sein? Warum ist eine rechte Regierung auf den ersten Blick deutlich diverser als es zum Beispiel vor einigen Jahren die rot-grüne Regierung war?

Das ist kein Zufall und, gerade was die Frau an der Spitze angeht, kein Einzelfall: Seit Margaret Thatcher kommen mehr Frauen in politischen Spitzenpositionen aus konservativen Parteien als aus progressiven. Warum?

Weil sie sich anpassen. Merkel ist nie, keine Sekunde, eine Vertreterin der Frauen. Westerwelle ist nie, keine Sekunde, ein Vertreter der Homosexuellen. Schäuble ist nie, keine Sekunde, ein Vertreter der Menschen mit Behinderung. Rösler ist nie, keine Sekunde, ein Vertreter der MigrantInnen. Sie bekämpfen die Machtstrukturen unserer Gesellschaft nicht, sie spielen mit – und sie schaffen es nach vorne, ohne an den Verhältnissen zu rütteln (Bei Schäuble muss es heißen: bleiben vorne.)

Und die progressive Erfolgsstory, auf die die ganze Welt schaut? Nun, Barack Obama ist nie, keine Sekunde, ein Vertreter der ethnischen Minderheiten in den USA. Nur so war er mehrheitsfähig. Und doch ist sein Erfolg  eine Folge der Bürgerrechtsbewegung.

Auch Merkel, Westerwelle, Schäuble und Rösler können diese Regierung überhaupt nur bilden, weil die 68er die Gesellschaft verändert haben. Soll noch jemand sagen, die Geschichte hätte keinen Sinn für Ironie…

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Journalismus, Popkultur, Qualitätskrise: Es sind die Erbsenzähler, nicht die Technik

4. Oktober 2009

Journalisten-Legende Gay Talese erzählt in diesem Interview für big think, wie hochwertiger Magazin-Journalismus vor einigen Jahrzehnten funktioniert hat: Man hatte viel Zeit und ausreichende Budgets, um diese Zeit auch zu nutzen. Irgendwann begann sich die Situation zu ändern: Talese macht das am Kassettenrecorder fest, der es Journalisten gestattete, nach einer Stunde Interview mit genügend “O-Tönen” ausgestattet zu sein, um einen Artikel zu schreiben. Aber nur in einem Nebensatz erwähnt er, was ich für viel wichtiger halte: Die Herausgeber hatten ein großes Interesse daran, die Kosten für Journalismus zu senken und der Kassettenrecorder bot ihnen die Möglichkeit dazu.

Talese hat über das Showbiz noch journalistisch berichtet: Für sein berühmtes Esquire-Portrait von Frank Sinatra blieb er mehrere Wochen in L.A. und recherchierte auf eigene Faust in Sinatras weiterem Umfeld. Heute ist so etwas schon fast undenkbar – die Spesen für Showbiz-Reportagen und -Interviews übernehmen schon lange jene Konzerne, über deren Produkte dann geschrieben wird. Den Managern der Plattenfirmen ist das lieber, weil sie das Marketing besser steuern können und den Managern der Magazine ist es lieber, weil die Kosten sich auf ein paar hundert Euro Texthonorar beschränken (Fotos werden gratis mitgeliefert). Oft genug gehören ohnehin beide demselben Mutterkonzern an.

Was bleibt, ist Postjournalismus: Ein von PR-Interessen gesteuertes Geschreibsel, das keine kritische Öffentlichkeit herstellt. Der Kassettenrecorder war früher nicht schuld daran, genau so wenig wie das Internet heute. Es sind die Erbsenzähler, die den Journalismus töten.

Aber dort, wo die Erbsenzähler nichts zu sagen haben, gibt es auch keine Qualitätskrise. Ganz im Gegenteil: Wenn ich in letzter Zeit etwas Interessantes über Popkultur gelesen habe, dann war das immer online und meistens nicht kommerziell. Die Texte sind anders: kurz, mit viel weniger Hintergrundinformation, radikal subjektiv und oft ohne einen einzigen O-Ton, weil es gar kein Interview gab.

Die Reportagen von barocker Üppigkeit kommen vermutlich nicht zurück, aber die kritische öffentliche Diskussion schon. Die Möglichkeiten sind enorm: Man kann einfach einen Menschen, der etwas zu sagen hat, vor eine Videokamera setzen und das ganze auf YouTube stellen. Ganz ohne Interview, ohne Q&A und praktisch ohne Kosten. Nicht schlecht, oder?


Grüß Gott, ein Kettenmail

2. Oktober 2009

Wieder eines jener paranoiden rechten Kettenmails, die in Österreich scheinbar immer beliebter werden. Diesmal wird Schülern angeblich verboten, “Grüß Gott” zu sagen. Natürlich, wie immer, ohne ein konkretes, überprüfbares Beispiel zu nennen. Auffällig auch, wie sich christlicher und nationaler Eifer mischen:

Das vorliegende E-Mail, verfasst von einer jungen oberösterreichischen Lehrerin, wird von mir an Euch mit dem Ersuchen um Kenntnisnahme weitergereicht.

Wenn es Euch missfällt, dann löscht es einfach.
Wenn Ihr aber zur Ansicht kommt, dass die junge oberösterreichische Patriotin im Recht ist, dann leitet bitte dieses E-Mail an Eure Freunde weiter.

PS. Kommt von einer jungen oberösterreichischen Lehrerin !

Endlich einmal das Richtige !!!!!

Liebe verantwortliche Landes- und Bezirksschulräte, liebe Politiker und liebe Journalisten der diversen österreichischen Zeitschriften und des ORF

Wenn wir in Österreich nicht mehr “Grüß Gott” sagen dürfen, gibt es nur eine Alternative:

Wem dieses “Grüß Gott” nicht gefällt, der muss es ja nicht sagen, aber wem es stört, dass Österreicher untereinander “Grüß Gott” sagen, der hat das Recht, Österreich zu verlassen und sich in einem anderen Land niederzulassen !

Schön langsam sollten auch wir in Österreich wach werden !!!

Zu Schulbeginn wurden in Linzer Schulen die Kinder von ihren Klassenvorständen informiert, wie man sich in der Gesellschaft zu verhalten hätte. Grüßen, Bitte und Danke sagen, einfach höflich und freundlich sein.

Weiters wurde ihnen aber auch mitgeteilt, dass das bei uns in Oberösterreich so vertraute “Grüß Gott” nicht mehr verwendet werden darf, da das die muslimischen Mitschüler beleidigen könnte.

Dazu kann man als Otto Normalbürger eigentlich nichts mehr anfügen und nur mehr den Kopf schütteln. Ich kann’s gar nicht glauben. Ist aber wahr.

Ihr könnt Euch gerne in Linz in den Volksschulen erkundigen.

EINWANDERER UND NICHT DIE ÖSTERREICHER SOLLEN SICH ANPASSEN !!!

Ich bin es leid, zu erleben, wie diese Nation sich Gedanken macht darüber, ob wir irgendein Individuum oder seine Kultur beleidigen könnten.

Die Mehrheit der Österreicher steht patriotisch zu unserem Land. Aber immer und überall hört man Stimmen angeblich ‘politisch korrekter’ Kreise, die befürchten, unser Patriotismus könnte andere beleidigen.

Versteht das bitte nicht falsch, ich bin keineswegs gegen Einwanderung; die meisten Einwanderer kamen nach Österreich, weil sie sich hier ein besseres Leben erhofften.

Es gibt aber ein paar Dinge, die sich Neuankömmlinge, und offenbar auch hier Geborene, unbedingt hinter die Ohren schreiben sollten.

Die Idee von Österreich als multikultureller Gemeinschaft hat bisher nur eine ziemliche Verwässerung unserer Souveränität und unserer nationalen Identität geführt.

Als Österreicher haben wir unsere eigene Kultur, unsere eigene Gesellschaftsordnung, unsere eigene Sprache und unseren eigenen Lebensstil. Diese Kultur hat sich während Jahrhunderten entwickelt aus Kämpfen, Versuchen und Siegen von Millionen Männern und Frauen, die Freiheit suchten.

Wir sprechen hier Deutsch, nicht Türkisch, Englisch, Spanisch, Libanesisch, Arabisch, Chinesisch, Japanisch, Russisch, oder irgend eine andere Sprache. Wenn Sie also Teil unserer Gesellschaft werden wollen, dann lernen Sie gefälligst die deutsche Sprache!

‘Im Namen Gottes’ ist unser nationales Motto. Das ist nicht irgendein politischer Slogan der rechten Parteien. Wir haben dieses Motto angenommen, weil christliche Männer und Frauen diesen Staat nach christlichen Prinzipien gegründet und entwickelt haben. Es ist also auch nicht abwegig, dies an den Wänden unserer Schulen mit einem Kreuz zu manifestieren.

Wenn Sie sich durch Gott beleidigt fühlen, dann schlage ich vor, Sie wählen einen anderen Ort auf der Welt als Ihren neuen Wohnsitz, denn Gott ist nun mal Teil unserer österreichischen Kultur.

Wenn Sie das Kreuz in der Schule empört, oder wenn Ihnen der christliche Glaube nicht gefällt oder wenn Sie nicht bereit sind, die in Österreich geltenden Gesetze einzuhalten, dann sollten Sie ernsthaft erwägen, in einen anderen Teil dieses Planeten zu ziehen, er ist groß genug.

Wir sind hier glücklich und zufrieden mit unserer Kultur und haben nicht den geringsten Wunsch, uns gross zu verändern. Es ist uns auch völlig egal, wie die Dinge dort liefen, wo Sie herkamen.

Dies ist UNSER STAAT, UNSER LAND, und UNSERE LEBENSART, und wir gönnen Ihnen gerne jede Möglichkeit, dies alles und unseren Wohlstand mit uns zu genießen.

Aber wenn Sie nichts anderes tun als reklamieren, stöhnen und schimpfen über unsere Fahne, unser Gelöbnis, unser nationales Motto oder unseren Lebensstil, dann möchte ich Sie ganz dringend ermutigen, von einer anderen, großartigen österreichischen Freiheit Gebrauch zu machen, nämlich vom ‘RECHT UNS ZU VERLASSEN, WENN ES IHNEN NICHT PASST!’

Wenn Sie hier nicht glücklich sind, so wie es ist, dann hauen Sie ab! Wir haben Sie nicht gezwungen, herzukommen. Sie haben uns darum gebeten, hier bleiben zu dürfen. Also akzeptieren Sie gefälligst das Land, das SIE akzeptiert hat. Eigentlich ganz einfach, wenn Sie darüber nachdenken, oder?

Wenn wir dieses Schreiben an unsere Freunde (und Gegner) weiterleiten, dann werden es früher oder später auch die Reklamierer in die Finger bekommen.

Versuchen könnte man’s wenigstens.

Egal, wie oft Ihr es empfangt… sendet es einfach weiter an alle, die Ihr kennt!


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