This is beta

Siebzehn Jahre war ich Journalist. Ich habe eine gefühlte Million Artikel geschrieben, dazu Rezensionen, Kommentare und Essays, drei politische Sachbücher, einen Wien-Reiseführer, einen Ratgeber und sogar ein Comic. Dazu habe ich Presseunterlagen und Aussendungen für politische Kampagnen und eine Partei verfasst, zwei Drehbücher, ein (!) Gedicht und vor einigen Wochen habe ich nach vielen Jahren Arbeit meinen ersten Roman fertiggestellt. Vielleicht kann ich nicht alles gut schreiben, aber ich kann jedenfalls alles schreiben. Alles. Nur an einem bin ich in den letzten Jahren immer wieder gescheitert: am Bloggen. Vier oder fünf mal habe ich es versucht, nie bin ich über die ersten paar Beiträge hinausgekommen. Und heute habe ich verstanden, warum.

In diesem Artikel hat mir der amerikanische Uni-Prof, Blogger und Autor Jeff Jarvis endlich erklärt, was den Unterschied zwischen Bloggen und Journalismus ausmacht: Der Anspruch an die eigene Perfektion. Bloggen, so Jarvis, ist ein permanenter Prozess, immer in Bearbeitung, nie abgeschlossen, immer der Prüfung und Auseinandersetzung mit den Lesern ausgesetzt, immer im beta-Stadium. Journalisten dagegen versuchen, in sich abgeschlossene, *perfekte* Texte zu schaffen. Das ist banal, aber es erklärt, warum ich als Blogger immer gescheitert bin. An einem  Text, der mir wichtig ist, feile ich tagelang. Das kommt aus der Print-Tradition: Was liegt, das pickt. Was in Druck geht, steht dort Schwarz auf Weiß. Für immer. Wenn ich versucht habe, zu bloggen, hat das bedeutet: Ich habe die Idee zu jedem Beitrag tagelang herumgewälzt. Ich habe versucht, einen neuen und originellen Zugang zu finden. Stringent zu argumentieren. Knackig zu formulieren. Und letztlich mit jedem Beitrag ein Werk zu schaffen, das die Ewigkeit überdauern kann, tiefere Bedeutung hat und mir auch in 30 Jahren nicht peinlich ist. Das alles natürlich unentgeltlich und für praktisch kein Publikum. Kein Wunder, dass ich immer ganz schnell die Lust verlor. Ich habe ja auch keine Lust mehr auf Print-Journalismus, weil mir das alles nicht mehr wichtig ist.

Jarvis hat mich entspannt. Diesen ersten Blogeintrag habe ich jetzt bei zwei Bieren an der Bar des Europa geschrieben. Inzwischen habe ich ihn schon das zweite Mal editiert. Ob er mir morgen noch gefällt, weiß ich nicht. Ob ich übermorgen einen weiteren Beitrag schreibe, schon gar nicht. Alles ist möglich.

This is beta.

3 Antworten zu This is beta

  1. jane richardson sagt:

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  2. […] schrieb so von außen eine öffentliche Nachricht an Konferenzteilnehmer Jeff Jarvis (der übrigens indirekt für beta thoughts mitverantwortlich ist): They are not taking into account this: Blogs are the […]

  3. […] schrieb so von außen eine öffentliche Nachricht an Konferenzteilnehmer Jeff Jarvis (der übrigens indirekt für beta thoughts mitverantwortlich ist): They are not taking into account this: Blogs are the […]

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